Um den Stoff ranken sich Mythen und Wundergeschichten. In der Heilkunde galt das Bienensekret lange als Jungbrunnen und Zaubermittel gegen allerlei Krankheiten von Krebs bis Bluthochdruck. Was hat es also mit Gelee Royal auf sich?
Gelee Royal ist der Weiselfuttersaft, die Flüssigkeit mit der Bienenlarven gefüttert werden, um zur Königin heranzureifen. Genauer gesagt werden alle Larven zunächst mit dem Sekret, das die Arbeiterbienen produzieren, ernährt. Nach wenigen Tagen bekommen die normalen Bienen dann jedoch Pollen und Honig, während die Königin ihr Leben lang mit Gelee Royal gefüttert wird.
Verlängert Gelee Royal das Leben?
Einer der Gründe, warum dem Weiselfuttersaft so sagenhafte Kräfte zugeschrieben werden, ist seine vermeintliche Auswirkung auf das Leben der Bienenkönigin. Die Königin ist nicht nur wesentlich größer als die Arbeiterinnen, sie lebt auch etwa zehn Mal so lang wie die gewöhnlichen Bienen. Allerdings hat die Forschung in den letzten Jahrzehnten feststellen können, dass dafür weniger das Gelee Royal als die Ernährung der Arbeitsbienen verantwortlich ist. Diese schaltet bestimmte Eigenschaften in den Genen der normalen Bienen aus, um zu verhindern, dass sie zu Königinnen heranwachsen.
Dennoch gilt Gelee Royal in der Heilkunde weiterhin als wichtiges Heilmittel. Es soll den Stoffwechsel anregen, krebshemmend wirken, das Immunsystem stärken und den Blutzuckerspiegel positiv beeinflussen. Außer Zweifel ist, dass der Weiselfuttersaft viele wertvolle Bestandteile besitzt. Er ist reich an Vitaminen, Aminosäuren und Spurenelementen. Seine medizinische Wirkung ist jedoch nicht wissenschaftlich erwiesen. In Deutschland darf Gelee Royal deshalb nicht als Arzneimittel, sondern nur als Lebensmittel ausgezeichnet werden. Bei der Einnahme (als Pille oder in Reinform) sollte in jedem Falle die Allergiegefahr beachtet werden.
Produktion von Gelee Royal
Da Bienen keine Vorräte an Gelee Royal anlegen, ist die Produktion aufwendig und kompliziert. In Deutschland gibt es keine Imker, die das Sekret kommerziell vertreiben. Gelee Royal wird deswegen meist aus China importiert. Um an den Futtersaft zu gelangen, muss dem Bienenstock die Königin entnommen werden. So werden die Arbeiterinnen dazu gebracht, das Gelee Royal an vorgefertigte Königinnenzellen abzugeben, die nach drei Tagen entfernt werden. Trotzdem kann ein Bienenstock im Jahr nicht mehr als etwa 500g Gelee Royal produzieren – der Stoff ist entsprechend teuer. Weil die Entnahme der Königin eine große Belastung für das Bienenvolk darstellt, ist eines sicher: Die Einnahme von Gelee Royal mag für Menschen gesund sein oder nicht – für die Bienen ist es das menschliche Interesse daran ganz sicher nicht.



