In dem Dove Film, der vor einigen Jahren eine Internetsensation wurde, sehen wir am Anfang eine Frau – eine normale Frau, nicht hässlich, hübsch sogar, aber nicht herausragend, mit Hautunreinheiten und strähnigem Haar – eben eine Frau wie Du und ich. Nicht zu vergleichen ist sie mit einer der überirdischen Schönheiten, die uns täglich von Werbeplakaten entgegen lächeln. Und doch hat sie sich am Ende des kurzen Clips in ebenso eine Schönheit verwandelt. Wie? Mit der Hilfe eines Heers von Visagisten, Friseuren, einem professionellen Fotografen – und unter Einsatz eines Computers.
Der Dove Film „Evolution“ ist Teil einer Kampagne des Kosmetikkonzerns, mit der auf die Tricks der Werbeindustrie aufmerksam gemacht werden, natürliche Schönheit gefördert und das Selbstbewusstsein von „normalen“ Frauen gestärkt werden soll.
Dove-Film: Schönheit per Mausklick
Jeder Mensch ist schön – wenn professionelle Visagisten, Haarstylisten und andere Experten zum Einsatz kommen, kann auch das grauste Mäuschen in eine hinreißende Diva verwandelt werden. Da helfen hochwertiges Make-up, Haarteile, falsche Wimpern, Sprays, Lacks und eine Unzahl anderer Hilfsmittel. Auf Fotos kann die richtige Ausleuchtung Hautunreinheiten verschwinden lassen, ein Funkeln in die Augen zaubern, Teint und Haar erstrahlen lassen. Die Windmaschine sorgt für wallende Locken.
Die wahre Revolution des vermeintlich Schönen hat jedoch der rasante Fortschritt der Computertechnologie ermöglicht. Denn so gut wie jedes Foto, das wir in Prospekten, Zeitschriften und allen anderen Medien sehen, ist mit einem Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop bearbeitet worden. Während zunächst nur Farben ausgebessert, Glanz verstärkt und Kontraste verschärft wurden, haben die Schönheitskorrekturen per Mausklick inzwischen erschreckende Ausmaße angenommen. Da werden Falten gelöscht, unschöne Fettröllchen wegradiert, Arme und Beine gestreckt und dünner gemacht. Ganze Gesichtskonturen werden verändert, um dem sogenannten Schönheitsideal zu entsprechen. Augenbrauen werden angehoben, Hälse verlängert, Augen vergrößert. Das Ergebnis: Eine Synthetikschönheit, die mit dem Menschen dahinter nur noch wenig zu tun hat.
Dove-Film thematisiert künstliche Schönheit
Die künstlich bearbeiteten Bilder haben einen enormen Einfluss auf uns und unsere Vorstellung von Schönheit. Weil wir in der Werbung kaum noch reale Frauen sehen, denken wir, diesen unmöglichen Idealen entsprechen zu müssen. Dabei treibt die Werbeindustrie das Spiel so weit, dass Covergirls inzwischen oft unnatürlich und merkwürdig proportioniert aussehen. Natürlich erfüllt auch der Dove Film einen Werbezweck. Dennoch können wir dem Grundgedanken des Beautyunternehmens nur zustimmen: Unsere Wahrnehmung von Schönheit ist gründlich gestört – und gehört geradegerückt!




